Die Massen der Studis im Obergeschoss des Clubhaus, die dort schon am Dienstag mittag den Ausnahmezustand des kollektiven Lernens demonstriert haben, hatten ihren “Zuspruch” zur späteren Protestkundgebung auf dem Holzmarkt schon angedeutet: Sie würden keine Zeit haben. Und in der Tat – das studentische Tübingen war am Abend des 25. Januar nicht sehr stark auf dem Holzmarkt vertreten.
(“Kundgebung für kostenlose Bildung”? Da hat die Redakteurin wohl leider etwas falsch verstanden. Freie Software ist ja auch mehr als nur “umsonst”. Aber ihre Beobachtung stimmt leider: Mehr als 70 Leuten hatten sich nicht zur Kundgebung auf dem Holzmarkt versammelt.)
Vielleicht sollte man aber die Studis im Clubhaus und in der UB auch nicht falsch verstehen: Sind sie es nicht, die dort gegen Lernstress und Bachelor-Bulimie-Lernen – in performativer Weise – demonstrieren? Und das nicht nur an einem Abend, sondern sogar wochenlang am Stück?!
Viele gehen gerne in die Hausbar der Münzgasse 13, aber sicher wissen nicht alle, wie lange das Haus schon von Studierenden bewohnt wird und wie es zur heutigen Wohnsituation kam.
Vielen ist es sicher auch egal. Für alle anderen habe ich einen Hintergrundartikel für die bald erscheinende Kupferblau 24 geschrieben, den ihr hier beim Bildungsmagazin lesen könnt:
YouTube ist sicherlich keine gute Grundlage für professionelles Auflegen. Weder im Radio noch auf ‘ner Party. Trotzdem hab ich schon Abende erlebt wo jemand Musik von eben jener populären Video-Plattform abgespielt hat: Weil man was zeigen möchte, was der Gastgeber einfach nicht auf seinem Rechner hat oder so.
Für die ambitionierten “YouTube-DJs” die damit ganze Abende bestreiten wollen gibt es jetzt was total abgefahrenes. Eigentlich wars nur eine Frage der Zeit, bis sowas auftauchen würde, mich hats trotzdem gerade total überrascht: “YouTubeDisko” bietet ein komplettes Web-Frontend zum Abspielen von YouTube-Clips mit “DropBox” zum Zwischenspeichern von gefundenen Titeln und zwei “Decks” in die Musik geladen werden kann. Natürlich kann zwischen den Decks hin- und her überblendet werden. ;-)
Zur etwas professionelleren Handhabung würde jetzt noch ein automatischer Lautstärke-Abgleich fehlen, die Möglichkeit die Lautstärke für jeden Kanal unabhängig voneinander anzupassen, schnelles Vor- und Zurückspulen, automatischer Start des Abspielens beim Rüberfaden…
Aber Moment mal, wir sprechen vom “Auflegen” meist schlecht aufgelöster Songs über YouTube oder? Krasse Idee sowas überhaupt zu entwickeln! Hammer! YouTubeDisko!
Telepolis widmet sich in “Die neue Zuchtwahl” dem immer mehr aufkommenden Sozialdarwinismus und -rassismus der sogenannten “Leistungselite”. Dabei werden richtig gruselige Statements zitiert, wie z.B. dieses hier:
“Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben”, sagt Peter Oberender, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Bayreuth.
Falls man das aus dem Zitat nicht so richtig versteht, weil es auch so gestelzt ausgedrückt wird (“diie Möglichkeit [...] haben”): Ja, es geht tatsächlich um den Verkauf von eigenen Organen, durch den man sich als armer Mensch Bares erwirtschaften soll.
Aber kann es überhaupt für alle studienwillige Bachelor-Absolventen Master-Studienplätze geben? Darüber haben sich die politisch Verantwortlichen offenbar wenig Gedanken gemacht. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich mit der erwarteten Nachfrage und dem Studienplatzangebot bislang nicht auseinandergesetzt, gibt eine Sprecherin zu: “Auf Arbeitsebene wird aber versucht, die Entwicklung generell im Auge zu behalten.”
Klar ist: Wer ein System wie BA/MA einführt will keinen Master für alle. Vielmehr soll die Uni in ihrer “Funktion” als kostenlose Ausbildungsstätte für die Wirtschaft weiter ausgebaut werden, das zeigen die dauernden Forderungen nach “Praxisbezug” immer wieder, die zum Teil ja leider selbst von Studierenden zu hören sind.
Das BA/MA System dient dabei als Vorfilter für die Jobs in der Wirtschaft: Der BA reicht für viele Stellen auf die “Akademiker” sich bewerben sollen und die müssen ja dann nicht so gut bezahlt werden wie Master-Absolventen. Praktisch.
Wo dann wirklich die Qualifikationen eines “Masters” gebraucht werden, da hilft die Einteilung der Studies in zwei Güteklassen: Man muss sich deutlich weniger BewerberInnen anschauen, wenn man die BA-Studies gleich außen vor läßt.
Mag schon sein, dass das Humboldtsche Bildungsideal elitär ist und auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber diese Blockade von Uni-”Karrieren”, nur weil einer um eine Viertel-Note schlechter ist als sein “Konkurrent” aus dem gleichen Seminar, ist einfach nur zynisch.
Da inzwischen jedem klar ist wie es auf dem MA-Markt aussieht muss man natürlich auch nicht erwarten, dass die heute übliche Mehrfachst-Bewerbung auf zig Studienplätze geringer werden würde. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis die Bewerbung auf einen Master-Platz nur nach Zahlung einer entsprechenden Aufwandsgebühr überhaupt bearbeitet wird. Das freut natürlich die, die es sich dennoch leisten können. So wird der Zugang zum öffentlich finanzierten Uni-Betrieb am Ende auf diejenigen beschränkt, die nicht schon vorher an den (finanziellen) Hürden scheitern.
“The rooms are equipped with a mirror/sink area, desk, night-stand, shelves, a fairly nice sized closet and an unbequemes Bett.”
Aus dem “S.I.P. – Survial Guide” für die amerikanischen Studierenden, die an der Uni-Tübingen am “spring intensive program” teilnehmen um ihr Deutsch zu verbessern.
Die Seite ist auch interessant um die Unterschiede zwischen der Studierenden-Unterbringung in den USA und in Deutschland herauszuarbeiten, sowie die damit verbundenen kulturellen Unterschiede: “It’s not an American dormitory!”
“In nur geringfügiger Übertreibung und Zuspitzung kann man sagen, dass die von Arbeitslosigkeit betroffenen Teilbereiche des Bildungssystems heute mehr und mehr einem Geisterbahnhof gleichen, in dem die Züge nicht mehr nach Fahrplan verkehren. Dennoch läuft alles nach den alten Mustern ab. Wer verreisen will – und wer will schon zu Hause bleiben, wo das Zuhausebleiben Zukunftslosigkeit bedeutet -, muss sich in irgendwelche Warteschlangen zu den Schaltern einreihen, an denen Fahrscheine für Züge vergeben werden, die meist sowieso überfüllt sind oder nicht mehr mit der ausgezeichneten Zielrichtung abfahren. Als sei nichts geschehen, verteilen die Bildungsbeamten hinter den Fahrkartenschaltern mit großem bürokratischen Aufwand Fahrkarten ins Nirgendwohin und halten die sich vor ihnen bildende Menschenschlange mit der ‘Drohung’ in Schach: ‘Ohne Fahrkarte werdet ihr nie mit dem Zug fahren können!’ Und das Schlimme ist, sie haben auch noch recht…!”
aus: Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp 1986., Seite 238