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Sziget 2009

Am Montag abend bin ich nach über einer Woche Festival wieder zurück gekommen. Ich war auf dem Sziget in Budapest, einem der größten Musik-Festivals in Europa.

Mainstage

Das Sziget ist inzwischen ziemlich kommerzialisiert worden und macht auch einen sehr “professionellen” Eindruck, war aber wohl ursprünglich mal eine kleinere Veranstaltung, die dann dank dem aufkommenden Hype immer größer und damit auch anders geworden ist. (Geschichte des Sziget)

Obwohl Budapest ja nicht gerade um die Ecke liegt waren trotzdem unglaublich viele Leute aus der Tübinger Region auf der Obudai-Insel.
Ich selbst war dort gemeinsam mit einem Kommilitonen von den Räten und vier KollegInnen von der Wüsten Welle. (Eine davon ist Miri, die auch einen sehr knappen und eher stichwortartigen Bericht vom Festival geschrieben hat.)
Getroffen habe ich dann noch während des Festivals eine Bekannte aus Reutlingen mit ihrer Freundin, sowie zwei Leute aus dem Epplehaus. Auf der Rückfahrt sind mir in den verschiedenen Zügen zunächst ein Mädel vom Tübinger Bildungsstreik und dann noch eine “Genossin” von ['solid] aus Stuttgart begegnet. Da das alles eher zufällige Begegnungen waren kann ich mir gut vorstellen, dass noch sehr viel mehr Menschen da waren die ich wenigstens oberflächlich gekannt hätte.

Ankunft
Bevor wir am Sonntag abend vor dem Festival unser Zelt aufbauen konnten, mußten wir erstmal ziemlich weit laufen bis wir von der S-Bahn-Haltestelle “Filatorigat” zum Eingang des Sziget gekommen waren. Der Eingang ist direkt vor einer Eisenbrücke gelegen, die auf die Obudai-Insel führt und die auch unser einziger Landzugang zum Gelände gewesen ist.

Am Eingang mußten wir erstmal anstehen um das Ticket gegen ein Armbändel auszutauschen und dann vor dem Betreten der Brücke nochmal kurz warten, damit uns ein Mitarbeiter das Band professionell anlegen konnte.

Nach dem Überqueren der Brücke die nächste Hürde: Unsere Reisetaschen und Rucksäcke wurden oberflächlich kontrolliert und dabei auch die Frage gestellt ob wir Camping-Gas dabei hätten. Hatten wir nicht und somit konnten wir das Gelände betreten ohne etwas abgenommen zu bekommen. Auf Alkoholbesitz hin wurden wir bei dieser ersten Passage kaum kontrolliert. Gerade die kompakt gepackten Rucksäcke wollte die Security zum Glück kaum anschauen, in meiner leicht zu öffnenden Reisetasche wurden dagegen alle Fächer einmal aufgemacht und eingesehen, ohne dass dabei aber grob herumgewühlt worden wäre. Es war in Ordnung.

Nach der Kontrolle kam dann nochmal ein ewig weiter Weg auf uns zu bis wir endlich an dem Zeltplatz hinter der World Music Bühne angekommen waren. Im Nachhinein hätte ich den Zeltplatz beim “Wandernden Wurstel” (Travelling Fun Fair) weitaus besser gefunden, da er näher am Eingang gelegen und weniger bevölkert ist. Außerdem ist der “Wandernde Wurstel” einer der interessantesten Teile des Festivals, aber dazu vielleicht später mehr.

Das Zelt
Wir waren zunächst nur zu viert angereist, die restlichen zwei Leute von der Wüsten Welle wollten erst am Dienstag zusammen mit weiteren Freunden mit dem Auto kommen. Ich hatte mein neues drei-Mann-Zelt dabei, in dem mein Kommilitone und ich schlafen wollten, die zwei von der Wüsten Welle hatten ihr eigenes. Bis sie es im Zug verloren haben, muss man leider dazu sagen. Somit mußten wir die ersten beiden Nächte zu viert in meinem Zelt nächtigen, was irgendwo aber auch ganz witzig war. Die gebrochene und während des Festivals mit Gaffa-Tape notdürftig reparierte Zeltstange wurde mir zum Glück in Tübingen kostenlos ersetzt. Es lohnt sich also doch in einem “teuren” Fachgeschäft einzukaufen und nicht alles im Supermarkt bzw. Internet zu kaufen.

Fabian im Schlafsack

Am Montag morgen wurden wir gleich morgens von Cat Stevens mit “Morning has broken” aufgeweckt, weil unsere englischen Zeltnachbarn das wohl sehr lustig fanden. Insgesamt war eigentlich jeden Morgen irgendein anderer Lärm zu hören, entweder der Soundcheck von der World-Bühne oder aber Beschallung vom Zeltplatz. Jemand den wir nicht persönlich kennengelernt haben hatte ein Megaphon dabei mit dem er die “Titanic-Melodie” in MIDI-Qualität wiedergeben konnte. Das war schon nach kurzer Zeit recht nervig. Aber zum Schlafen sind wir ja auch nicht aufs Sziget gefahren.

Die Stadt
Da das Festival erst am Mittwoch (“Tag 1″) richtig beginnen sollte, waren wir Montag und Dienstag alle gemeinsam in Budapest.

Buchstaben Budapest

Gleich am Montag wollten wir uns das recht bekannte historische Thermalbad im Nobelhotel “Gellert” anschauen. Auf dem Weg dorthin hat mein Kommilitone Felix ein bißchen was über die Geschichte Budapests erzählt, aber die Kombination aus praller Mittagssonne, weitem Weg und dem Verkehrslärm auf der vielbefahrenen Straße direkt neben uns war zu ungünstig, als dass ich hier etwas davon wiedergeben könnte. Das Bad war dann aber außer dem Eintrittspreis von 14 € sehr schön und v.a. gigantisch groß. Schwer vorzustellen wie das früher alles so perfekt gebaut werden konnte.
Die erste kleine Enttäuschung beim “Gellert” war, dass Frauen und Männer in komplett voneinander abgetrennten Bereichen baden mußten. Das kam uns erstmal sehr spießig und komisch vor, Assoziationen an die 50er Jahre in Deutschland kamen hoch. Da wir aber schon bezahlt hatten war es zu spät um wieder umzukehren, was sich dann auch als richtig herausgestellt hat. Denn innen gab es auch einen großen gemischtgeschlechtlichen Bereich mit Hallenbad, sowie ein Thermalbecken und ein “Erlebnisbecken” mit Wellengang im Freien. So konnten wir doch gemeinsam abhängen und hatten einen schönen Nachmittag im Gellert.

Im Männerbad hatten wir eine lustige Begegnung mit einem Budapester Bürger, der in sehr gebrochenem Englisch mit uns sprechen wollte. Seine Ausführungen endeten immer wieder mit der Begeisterung über “Krombacher”, das für ihn wohl das beste vorstellbare Bier gewesen sein muss. In der Tat konnten wir uns auf dem Festival davon überzeugen, dass die lokalen ungarischen Biere geschmacklich stark hinter dem uns bekannten zurückbleiben mußten. Dafür wurde in den Supermärkten der Stadt gutes “Staropramen ” verkauft, was allerdings ein tschechisches Bier ist.

Andererseits ist vieles auch nur eine Frage der Gewöhnung. Nach einigen Tagen Festival war das “gute” “Dreher”-Bier fester Bestandteil meines abendlichen Getränke-Konsums und ich fand es irgendwann gar nicht mehr so schlimm wie beim ersten “Genuß” in dem schicken Budapester “Sercli”-Restaurant am Montag.

Fabian im Restaurant

Am Dienstag, dem “Tag 0″, wäre auch konzertmäßig schon etwas mehr geboten gewesen, u.a. die “love music, hate racism allstars“, wir bevorzugten aber einen weiteren Besuch in der Stadt, wo wir u.a. auch schon wieder essen gingen, wie überhaupt an jedem Tag an dem wir in die Stadt reingefahren sind.

Restaurants
Das Essen war hier gemessen an deutschen Standards sagenhaft billig. Es war ohne Probleme möglich in einem guten Restaurant für knapp 10 € eine Hauptspeise mit Bier und im Anschluß noch einen Nachtisch mit Espresso zu bekommen. Der “deutsche” Kaffee war dagegen nicht so sehr verbreitet, wir fanden fast immer nur Espresso, oder eben einen doppelten Espresso oder Dinge wie “American coffee”, was aber dem uns bekannten vielleicht entsprechen könnte, ausprobieren wollte ich es nicht.

Als wir Dienstag mittag allerdings in einem günstigeren Laden was essen wollten, sind wir ziemlich reingefallen: Außen war auf einer Werbetafel ein Menü aus Pizza, Softdrink und Espresso angekündigt. Wir hatten noch nichts gegessen, auch noch keinen Kaffee getrunken und waren nicht zwingend darauf festgelegt die traditionelle ungarische Küche zu kosten und wollten v.a. nicht mehr weit nach einem Lokal suchen. Daher schien das günstige Angebot sehr verlockend. Als wir jeder eine Pizza bestellen wollten und es hieß, die Pizza sei ausgegangen, hätten wir eigentlich schon mißtrauisch werden und den Laden verlassen sollen. Aber es gab ja noch ein billigeres Menü mit Sandwiches, also wichen wir darauf aus. Die erste Überraschung war die von uns bestellte Cola, die nach allem, nur nicht nach Coca-Cola schmeckte. Dass mein Glas am Rand etwas dreckig war, kam mir zusätzlich etwas eklig vor. Nachdem wir alle uns ein wenig gewundert hatten und uns alle sicher waren, dass die braune Plörre vor uns keine “echte” Cola sein konnte, hab ich dann doch am Tresen nachgefragt was das für ein Getränk sei. Daraufhin kam dann erst in gebrochenem Englisch die Ansage, zum Menü gehöre nur eine “Euro-Cola”, die sei nicht so süß. Zur Bestätigung hielt mir der Wirt eine Flasche “Euro-Cola” entgegen, die eben aussah wie die Billig-Colas die man auch in deutschen Supermärkten findet. Der ganze Laden war übrigens voll mit Coca-Cola Werbung, in der Speisekarte hätte man auch nur Coca-Cola bestellen können, daher fühlten wir uns schon etwas verarscht.
Hinter der Mini-Theke konnte ich dann auch gleich noch sehen, dass dies wohl eins der ganz wenigen Restaurants war, in dem das Geschirr noch von Hand gespült wurde. In Ermangelung eines Pizza-Ofens muss sich das Pizza-Angebot außerdem wohl auf Fertig-Pizza bezogen haben, jedenfalls sah die leicht verbrannte Pizza, die unsere Tisch-Nachbarn serviert bekamen, danach aus. Sie hatten schon vor uns bestellt gehabt.

Außer dieser einen Negativ-Erfahrung waren unsere sonstigen Restaurant-Besuche in Budapest aber alle extrem gut, das Essen war gut und reichhaltig und die Atmosphäre meist recht locker. Eine Besonderheit ist, dass je nach Restaurant die “Service-Gebühr” für die Bedienung noch nicht in den Preisen enthalten ist, sondern erst am Ende auf die Gesamtrechnung aufgeschlagen wird bzw. dass in der Gesamtrechnung darauf hingewiesen wird, dass die Service-Gebühr noch nicht in der Summe enthalten ist und man wie in Deutschland einen selbstgewählten Betrag als Trinkgeld zahlen kann, der aber höher sein sollte als in Deutschland, weil die Bedienung wohl sonst kaum bezahlt wird.

Ypsilanti
Laden in der Budapester Innenstadt

Ein echt gemütliches kleines Lokal war das “Eklektika“, in dem wir am Samstag essen waren. Der Name ist Programm, das Mobiliar ist aus verschiedenen Stilen zusammengestellt. Moderne und alte Gemälde an den Wänden, ein Klavier an der Wand, moderne Lampen, die von der Decke hängen, Sofas in den Ecken und klassische Kaffeehaus Stühle und Tische im Raum.

Transport
Es war eigentlich jeden Tag möglich noch vor den Konzerten mit der S-Bahn in die Stadt zu fahren, da die interessanten Konzerte erst gegen 17 Uhr anfingen. Es war allerdings schon ein gewisser Aufwand immer einmal übers komplette Gelände bis zum Ausgang zu laufen, von dort nochmal eine kleine Strecke bis zur S-Bahn zu gehen und dort dann für die Ticket-Kontrolle anstehen, denn vor jedem S-Bahn Eingang, zumindest an den bevölkerten Stationen, standen Kontrolleure, die das Ticket persönlich entwertet haben.

Es bietet sich an ein 10er-Ticket zu kaufen, da man dann nicht immer wieder um ein neues Ticket anstehen muß und außerdem etwas weniger pro Fahrt bezahlen muss. Das 10er-Ticket kostet 2.700 Forint, das sind ziemlich genau 10 €, so dass eine Fahrt einen Euro kostet.

Währung
In Ungarn wird noch immer mit Forint bezahlt. Dabei konnten wir uns als Umrechnungskurs ungefähr daran orientieren, dass ein Euro etwa 270 Forint (HU) entspricht. Wie der Kurs aktuell ist kann man beim Yahoo!-Währungsumrechner nachschauen.

Das Festival
Von Mittwoch bis einschließlich Sonntag waren jeden Tag ab 15 Uhr Konzerte. Die letzten Konzerte auf den beiden ganz großen Bühnen (“Main Stage” und “World Music Stage”) im Freien waren immer gegen 23 Uhr zuende, danach liefen aber noch bis 3 Uhr nachts weitere Konzerte auf der kleineren Bühne “MR2″ sowie in den riesigen Zelten von “A38 – wan2 Stage” und “MTV Headbangers Ball – ROCK Stage”. Zwei weitere kleine Bühnen im Freien waren die Bühne des Budapester Jazz Clubs und die Blues Bar. Darüber hinaus hatten die einzelnen Themenbereiche (z.B. “ungarisches Dorf”, “afrikanisches Dorf”) noch eigene Bühnen, auf denen zusätzlich zum “offiziellen Festival-Programm” noch weitere Programmpunkte liefen.

Lageplan Sziget
Der Sziget-Geländeplan (Bild: Veranstalter)

Fortsetzung folgt…

weitere Links:

Alle Bilder sind von mir mit meiner billigen Handy-Kamera (SonyEricsson W580i) oder von Miri gemacht worden.

KleineGoettin schreibt,

25. August 2009 um 01:38

mehreres:
1. dein video ist vom sziget o7, hier ist der youtube-kanal vom sziegt09 mit einem witzigen, bisschen merkwürdigen werbe-video: http://www.youtube.com/user/sziget2009?blend=2&ob=1

2. wir wussten doch, wer die titanic-melodie gespielt hat? das waren die italiener die vorne bei uns waren?

3. das war keine “kleine” enttäuschung im géllert, als ich dachte, ich müsste den ganzen tag allein mit irgendwelchen nackigen ungarischen frauen verbringen, ich fand das echt schockierend.

und 4. noch was inhaltliches: du nennst im ganzen bericht keine namen, nur an der einen stelle (“auf dem weg zum géllert”) schreibst du “felix” und das irritiert glaub leser die dann nicht wissen, wer denn jetzt felix ist.

ja. aber im grunde guter bericht, den ich glaub gleich der erinnerung wegen mal bei mir verlink :)

„Generation Unsichtbar“, « Die Kleine Göttin: Kopfüber in die Hölle! schreibt,

25. August 2009 um 03:34

[...] A propos Internet (& a propos Abenteuer erleben): Der Fabian hat ausführlicher übers Sziget gebloggt, als ich es tat. Lest es —– Und nochmal a propos Abenteuer: Die Ferien sind noch lang nicht [...]

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