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Artikel vom August 2010

Master wird zum Nadelöhr

Aber kann es überhaupt für alle studienwillige Bachelor-Absolventen Master-Studienplätze geben? Darüber haben sich die politisch Verantwortlichen offenbar wenig Gedanken gemacht. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich mit der erwarteten Nachfrage und dem Studienplatzangebot bislang nicht auseinandergesetzt, gibt eine Sprecherin zu: “Auf Arbeitsebene wird aber versucht, die Entwicklung generell im Auge zu behalten.”

taz.de: Studienreform in Deutschland: Der Master wird zum Nadelöhr

Meint die taz das ernst?

Klar ist: Wer ein System wie BA/MA einführt will keinen Master für alle. Vielmehr soll die Uni in ihrer “Funktion” als kostenlose Ausbildungsstätte für die Wirtschaft weiter ausgebaut werden, das zeigen die dauernden Forderungen nach “Praxisbezug” immer wieder, die zum Teil ja leider selbst von Studierenden zu hören sind.

Das BA/MA System dient dabei als Vorfilter für die Jobs in der Wirtschaft: Der BA reicht für viele Stellen auf die “Akademiker” sich bewerben sollen und die müssen ja dann nicht so gut bezahlt werden wie Master-Absolventen. Praktisch.

Wo dann wirklich die Qualifikationen eines “Masters” gebraucht werden, da hilft die Einteilung der Studies in zwei Güteklassen: Man muss sich deutlich weniger BewerberInnen anschauen, wenn man die BA-Studies gleich außen vor läßt.

Mag schon sein, dass das Humboldtsche Bildungsideal elitär ist und auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber diese Blockade von Uni-”Karrieren”, nur weil einer um eine Viertel-Note schlechter ist als sein “Konkurrent” aus dem gleichen Seminar, ist einfach nur zynisch.

Da inzwischen jedem klar ist wie es auf dem MA-Markt aussieht muss man natürlich auch nicht erwarten, dass die heute übliche Mehrfachst-Bewerbung auf zig Studienplätze geringer werden würde. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis die Bewerbung auf einen Master-Platz nur nach Zahlung einer entsprechenden Aufwandsgebühr überhaupt bearbeitet wird. Das freut natürlich die, die es sich dennoch leisten können. So wird der Zugang zum öffentlich finanzierten Uni-Betrieb am Ende auf diejenigen beschränkt, die nicht schon vorher an den (finanziellen) Hürden scheitern.

unbequemes Bett

“The rooms are equipped with a mirror/sink area, desk, night-stand, shelves, a fairly nice sized closet and an unbequemes Bett.”

Aus dem “S.I.P. – Survial Guide” für die amerikanischen Studierenden, die an der Uni-Tübingen am “spring intensive program” teilnehmen um ihr Deutsch zu verbessern.

Die Seite ist auch interessant um die Unterschiede zwischen der Studierenden-Unterbringung in den USA und in Deutschland herauszuarbeiten, sowie die damit verbundenen kulturellen Unterschiede: “It’s not an American dormitory!”

Geisterbahnhof Bildungssystem

“In nur geringfügiger Übertreibung und Zuspitzung kann man sagen, dass die von Arbeitslosigkeit betroffenen Teilbereiche des Bildungssystems heute mehr und mehr einem Geisterbahnhof gleichen, in dem die Züge nicht mehr nach Fahrplan verkehren. Dennoch läuft alles nach den alten Mustern ab. Wer verreisen will – und wer will schon zu Hause bleiben, wo das Zuhausebleiben Zukunftslosigkeit bedeutet -, muss sich in irgendwelche Warteschlangen zu den Schaltern einreihen, an denen Fahrscheine für Züge vergeben werden, die meist sowieso überfüllt sind oder nicht mehr mit der ausgezeichneten Zielrichtung abfahren. Als sei nichts geschehen, verteilen die Bildungsbeamten hinter den Fahrkartenschaltern mit großem bürokratischen Aufwand Fahrkarten ins Nirgendwohin und halten die sich vor ihnen bildende Menschenschlange mit der ‘Drohung’ in Schach: ‘Ohne Fahrkarte werdet ihr nie mit dem Zug fahren können!’ Und das Schlimme ist, sie haben auch noch recht…!”

aus: Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp 1986., Seite 238